Debatte um die Eheöffnung auf dem Rücken des Adoptionsrechts

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In der Schweiz entbrennt eine Debatte über die gleichgeschlechtliche Ehe. Die Bevölkerung befürwortet die Ehe-Öffnung, die Gegner_innen versuchen mit Vorurteilen eine sachliche Diskussion zu verhindern.

Sachliche Argumente fehlen den Gegner_innen

Die eingetragene Partnerschaft ist vielen gleichgeschlechtlich liebenden Menschen nicht genug. Wir wollen eine Gleichstellung erreichen, welche die Ehe als Möglichkeit ausdrücklich mit einschliesst. Schliesslich gibt es keine ethischen oder wissenschaftlichen Argumente, welche die bestehende Diskriminierung rechtfertigen würden.

Im 20 Minuten-Interview vom 12. März wehrt sich SVP-Nationalrätin Verena Herzog gegen dieses Ansinnen und trägt wieder einmal längst widerlegte Vorurteile in den Raum. Denn die Ablehnung der sogenannten Homo-Ehe begründet sie vor allem durch die Angst vor dem damit möglicherweise einhergehenden Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Ehepartner_innen. Ihrem Gesprächspartner, dem selber offen homosexuellen SP-Nationalrat Martin Naef gelingt es jedoch diese Ressentiments ad absurdum zu führen.

Die von der konservativen Nationalrätin vorgebrachten Argumente erscheinen im ersten Augenblick schlüssig und es ist verständlich, warum diese bei vielen Teilen der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden stossen. Wie könne sich denn ein Kind gleichgeschlechtlicher Eltern normal entwickeln, wenn es keine andersgeschlechtlichen Vorbilder habe? Diese Frage wird in den Raum gestellt und mit obskuren, nicht näher bezeichneten Studien untermauert, laut denen die Kinder gleichgeschlechtlicher Paare als Erwachsene viel häufiger ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssten. Diese von einer Mehrheit in der Bevölkerung geteilten Ängste sind jedoch hinfällig und nicht zu halten, wenn man der Argumentation des SP-Nationalrats Martin Naef folgt.

Fehlende Bezugspersonen entstehen nur im Vakuum

Wäre es tatsächlich so, dass sich die Kinder gleichgeschlechtlicher Elternpaare anders entwickeln, weil die entsprechende Bezugsperson des anderen Geschlechts fehlt, so Naef, dann müssten eben diese Probleme doch ebenfalls bei Alleinerziehenden auftreten. Hier hingegen ist von einer solchen Studie und solchen Ergebnissen nicht die Rede. Vor allem das Argument der Nationalrätin, dass sich die Alleinerziehenden diese Rolle nicht ausgesucht hätten, klingt wie blanker Hohn. Klar ist allerdings, dass es für Jungen und Mädchen gleichermassen wichtig ist eine entsprechende Bezugsperson im eigenen Umfeld zu haben. Dass dies jedoch die Eltern sein müssen ist hierbei ein utopisches Wunschdenken.

Viel wichtiger als die Aufteilung in bestimmte Geschlechter ist doch die Liebe und die Geborgenheit, die Eltern bereit sind ihren Kindern zu geben. Da keine Familie im Vakuum aufwächst, es also rege Kontakte mit anderen Mitmenschen gibt, können sich die Kinder hier bei Bedarf die entsprechenden Bezugspersonen suchen. Dies geschieht auch in heterosexuellen Familien häufig genug. Schliesslich müssen nicht die Eltern die einzigen Bezugspersonen sein, denen das Kind vertraut oder zu denen es sich hingezogen fühlt. Ein entferntes Familienmitglied, ein_e Freund_in der Familie, eine Person aus dem Lebensalltag, das Gotti oder der Götti wird vom Kind vielleicht viel eher als Bezugsperson akzeptiert als die eigenen Eltern.

Warum also die Diskussion um die Öffnung der Ehe auf dem Rücken des Adoptionsrechts mit solch fadenscheinigen Argumenten geführt wird, bleibt wohl das Geheimnis der Gegner_innen. Ich bin mir sicher, dass wir zu diesem Thema noch viel von den konservativen Teilen der Regierung zu erwarten haben.

Marco Fritschi

Ein berufstätiger Informatiker, der Software entwickelt, Projekte leitet und Lernende ausbildet.

Ein interessierter Winterthurer, der interdisziplinär das Wirtschafts- und Rechtssystem studiert und hinterfragt.

Ein sozialliberaler Politiker, dem Nachhaltigkeit, Gemeinwohl und die Menschenrechte als Leitbild dienen.

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