Leserbrief: Bunte Familien seit Jahrtausenden

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In der Weltwoche Nr. 20 vom 16. Mai 2013 erschien unter dem Titel “Weshalb Kinder Vater und Mutter brauchen” ein Artikel von Daniela Niederberger über Familienmodelle. Auf diesen reagierte ich umgehend mit einem Leserbrief.

Am Ende des genannten Artikels geht Frau Niederberger auf Regenbogenfamilien ein. Es wird das Fazit gezogen, dass es Kindern laut wissenschaftlichen Studien in Regenbogenfamilien genauso gut geht wie Kindern, welche in anderen Familienmodellen aufwachsen. Dennoch schliesst sie ihren Bericht mit der Aussage ab, dass man davon ausgehen müsse, dass das “seit Jahrtausenden bewährte Modell” das beste ist.

Mein Leserbrief

Welches Familienmodell ist das beste für Kinder? Diese Frage wird am Ende des Artikels mit der Aussage beantwortet, dass wohl das “seit Jahrtausenden bewährte Modell” das beste sein müsse.

Doch was ist dieses “seit Jahrtausenden bewährte Modell”? Es ist erst ein paar Generationen her, da hing das Leben an einem seidenen Faden. Junge Frauen starben im Kindbett. Eine einfache Grippe konnte tödlich verlaufen. Kriege rotteten Generationen junger Männer aus. Die Hinterbliebenen dieser Schicksalsschläge mussten ihre familiäre Situation neu ordnen. Ein Familienvater hielt nach dem Tod seiner Frau nach einer Stiefmutter für seine Kinder Ausschau. Manchmal übernahm die Grossmutter die Kindererziehung oder verwitwete Schwestern schlossen sich zusammen. Kurz: Die Familienkonstellationen waren generationenübergreifend, wechselhaft und vor allem sehr bunt. Die heutige “klassische Kleinfamilie” ist also weder naturgegeben noch gottgewollt, sondern lediglich geschmiedet vom Wohlstand und dem medizinischen Fortschritt der jüngeren Geschichte.

Das “bewährte Modell” ist nichts anderes, als mit Liebe für Kinder da zu sein. Verschiedene Familienformen sollen und dürfen nicht gewertet werden, denn für ein Kind zählen Liebe und Geborgenheit, Stabilität und Sicherheit, Rückzug und Zuhause. Und dies erfährt ein Kind auch in einer Regenbogenfamilie.

Leserbrief von Marco Fritschi zum Artikel “Weshalb Kinder Vater und Mutter brauchen” (Weltwoche Nr. 20/13); erschienen in der Weltwoche Nr. 21/13 auf Seite 18

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Marco Fritschi

Ein berufstätiger Informatiker, der Software entwickelt, Projekte leitet und Lernende ausbildet.

Ein interessierter Winterthurer, der interdisziplinär das Wirtschafts- und Rechtssystem studiert und hinterfragt.

Ein sozialliberaler Politiker, dem Nachhaltigkeit, Gemeinwohl und die Menschenrechte als Leitbild dienen.

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